Diabetologie

Diabetes Mellitus

Als diabetologische Schwerpunktpraxis versorgen wir nicht nur unsere hausärztlichen Patienten mit allen Diabetes-Belangen, sondern stehen überregional mit der gesamten Bandbreite der diabetologischen Sprechstunde und unserer Diabetes-Fachkräfte für Prävention, Therapie und Schulung zur Verfügung. 

Die Dauer der diabetologischen Begleitung ist individuell und besteht oft langfristig, da eine optimierte Therapie bei dynamischer Erkrankung überprüft und angepasst wird. 

Bei externer hausärztlicher Versorgung bitten wir um eine Überweisung.

Praxis Mörfelden-Walldorf

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Die vielen Formen von Diabetes Mellitus 

Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit) ist gekennzeichnet durch eine chronische Erhöhung des Blutzuckers, verbunden mit dem Risiko für schwere Begleit- und Folgeerkrankungen. Bedeutsam ist der starke Zuwachs an Neuerkrankungen, so wird bis zum Jahr 2040 eine Steigerung der Neuerkrankungen an Diabetes mellitus Typ 2 um bis zu 75 % auf bis zu 12 Millionen Betroffenen in der Bundesrepublik Deutschland postuliert (siehe Artikel). Unterschieden wird der Diabetes Mellitus wird in mehrere Typen:

Diabetes Mellitus Typ 1

Der Typ 1 Diabetes beruht auf einem Mangel an Insulin infolge einer Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen (Beta-Zellen). Diese Zellen gehören zur Bauchspeicheldrüse und sind ein bestimmter Typ der sogenannten Inselzellen. Am höchsten ist die Neuerkrankungsrate im Kindesalter. Deshalb wurde der Typ 1 Diabetes früher auch als jugendlicher oder juveniler Diabetes bezeichnet. Als Ursache des Typ 1 Diabetes gilt heute das Zusammenwirken von erblicher Veranlagung und äußeren Faktoren (z.B. bestimmte Virusinfektionen) und einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Bestimmte weiße Blutkörperchen (T-Lymphozyten) richten sich speziell gegen die Beta-Zellen. In Folge davon kommt es zum Untergang der insulinproduzierenden Zellen und zum absoluten Insulinmangel. Ohne Insulin kann jedoch Glukose nicht mehr aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen und verwertet werden. Die Zuckerspiegel im Blut steigen an und der Körper muss als Energiequelle sein Fettgewebe aufzehren.

Der erhöhte Blutzucker kann sich beim Typ 1-Diabetes bemerkbar machen durch:

  • übermäßigen Durst, wenn der Körper das Flüssigkeitsdefizit ausgleichen möchte
  • Häufiges Wasserlassen, wenn der Körper via Nierenschwelle gelöste Glukose ausscheidet
  • Müdigkeit, Leistungsminderung, Abwehrschwäche (Immunsuppression), da der Organismus zur alternativen Energiegewinnung Eiweiß abbaut
  • Übelkeit und Erbrechen auf Grund der Ketonkörperbildung

Diabetes Mellitus Typ 2

Der Typ 2 Diabetes beruht auf einem verminderten Ansprechen der Körperzellen auf Insulin. Er macht sich meist erst im Erwachsenenalter bemerkbar. Früher wurde er auch als Altersdiabetes oder Alterszucker bezeichnet. Zwischenzeitlich hat sich gezeigt, dass eine genetische Disposition wesentlich für das Auftreten des Typ 2 Diabetes ist. Erschwerend wirken sich fettreiche Kost, Übergewicht und Bewegungsmangel aus. In den letzten Jahren hat sich das Alter beim ersten Auftreten des Diabetes zunehmend nach unten verlagert.

Ein Typ 2-Diabetes ist oft lange Zeit ohne Symptome und wird deshalb nicht erkannt. Bei ungefähr 75 Prozent aller Menschen mit Diabetes wird die Diagnose im Rahmen anderer Untersuchungen gestellt. Dabei haben sich häufig schon vermeidbare Folgeschäden entwickelt bzw. Beschwerden auf Grund von Folgeschäden sind der Anlass für einen Arztbesuch mit nachfolgender Diabetes-Diagnose. Eine Untersuchung auf Typ 2-Diabetes sollte beispielsweise durchgeführt werden bei

  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörung
  • Sehstörungen auf Grund einer Erkrankung des Augenhintergrunds (Retinopathie)
  • Nerven-/Empfindungsstörungen (Polyneuropathie) z.B. Kribbeln an den Fußsohlen (Ameisenlaufen)
  • Impotenz
  • Übermäßigem Durst
  • Infektionsneigung (Pilzinfektionen, Furunkel)
  • Wundheilungsstörungen
  • Häufigem Wasserlassen

Diabetes Mellitus Typ 3 – Sammelbegriff für viele Diabetes-Formen

Diabetes Mellitus Typ 3 ist ein geläufiger Sammelbegriff für verschiedene Diabetes-Erkrankungen. Unterteilt ist der Diabetes Typ 3 in acht Kategorien. Der Diabetes Typ 3 beruht meist auf einer Zerstörung von Bauchspeicheldrüsengewebe durch andere Erkrankungen und einem daraus resultierenden Insulinmangel. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Kategorie Diabetes Typ 3a, welche die verschiedene Formen des MODY-Diabetes umfasst. Weitere Informationen

Pankreopriver Diabetes zählt zur Kategorie Diabetes Typ 3c, der durch eine Erkrankung, Entzündung, Beschädigung oder operativen Entnahme der Bauchspeicheldrüse verursacht wird. Weitere Informationen

Diabetes Mellitus Typ 4 – Schwangerschafts-Diabetes

Ein erstmals während der Schwangerschaft auftretender Diabetes wird als Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes bezeichnet. In der Regel verschwindet diese Form des Diabetes nach Beendigung der Schwangerschaft. Dabei ist jedoch das Risiko für die spätere Entwicklung eines Typ 2 Diabetes stark erhöht.

Diabetes Mellitus – keine Alterserkrankung

Diabetes Mellitus nimmt epidemieartig zu. Derzeit sind in Deutschland mindestens sieben Millionen Menschen von dieser Stoffwechselkrankheit betroffen. Immer häufiger entwickeln übergewichtige Jugendliche und junge Erwachsene einen Typ 2-Diabetes! Deshalb ist die früher verwendete Bezeichnung Altersdiabetes nicht mehr korrekt. Ein neu diagnostizierter Diabetes nach dem 30. Lebensjahr kann auch ein LADA-Diabetes und damit eine Form des Typ 1-Diabetes sein!

 

Diabetes sicher diagnostizieren

Um Diabetes sicher diagnostizieren zu können, die Art des Diabetes zu bestimmen und den Behandlungs-Verlauf zu kontrollieren, stehen uns verschiedene Testverfahren zur Verfügung:

  • Test zur Glucose-Bestimmung aus dem venösen Vollblut
  • Oraler Glucosetoleranztest: Hier trinkt der Patient eine standardisierte Zuckerlösung. Davor und danach wird der Blutzuckerspiegel gemessen. Dieser orale Glukosetoleranztest (OGTT) zeigt, wie stark der Blutzucker nach dem Trinken einer definierten Zuckerlösung steigt und wie lange er oben bleibt. Dank dieses Testverfahrens können Menschen mit erhöhter Gefährdung für Typ-2-Diabetes oder manifestem Typ-2-Diabetes erkannt werden (Information zur Durchführung in der Praxis erhältlich)
  • Bestimmung des Glucose-Langzeitwertes
  • Erstellung von verschiedenen Glucose-Profilen:
    • präprandiale Werte (vor dem Essen)
    • postprandiale Werte (2 Stunden nach dem Essen)
    • Nachtprofile
    • Basalratenprofile
  • iPro2: kontinuierliche verblindete Glucosemessung über 5 Tage

Das iPro®2 System bietet die Möglichkeit, die Einstellung des Diabetes schneller und einfacher zu beurteilen. Das System liefert rückblickend (retrospektiv) Daten über einen Zeitraum von bis zu sechs Tagen. Ähnlich wie beim Blutdruck Monitoring oder beim Langzeit-EKG stehen die Daten erst nach Abschluss der Messung zur Verfügung. Diese sogenannte „verblindete“ Glukosemessung ist als diagnostisches Hilfsmittel wertvoll, weil die Daten nicht unmittelbar beeinflusst werden. So kann ein unverfälschtes Bild über die derzeitige Therapie des Diabetes erhalten werden.

Lebensweisen verändern

Es geht nicht um dauerhaften Verzicht, sondern um eine überschaubare Änderung der Lebensweise in kleinen Schritten hinsichtlich Ernährung und Bewegung. Allein durch diese medikamentenunabhängigen Optionen kann der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) so gut gesenkt werden wie durch einzelne Medikamente.

Ausgewogene Ernährung

  • Menge der Mahlzeiten
  • Uhrzeit der Mahlzeiten
  • Zusammensetzung der Mahlzeiten
  • Art der Kohlehydrate
  • Jeder reagiert anders, die individuelle Bewertung erfolgt mit Hilfe der Blutzucker- und Ernährungs-Profile im Rahmen der Sprechstunde.
  • Achtung: Alkohol kann zu schweren Unterzuckerungen führen.

Ausreichende Bewegung

  • Jede Muskelbewegung spart Insulin, da bei Muskelaktivität eine von Insulin unabhängige Zuckeraufnahme in den Muskel erfolgt
  • Bewegungs-Aktivität im Alltag steigen
  • Kein Extremsport erforderlich
  • Bei erhöhter sportlicher Aktivität wie Fahrradtour oder Wanderungen muss die Dosis der Insulintherapie überdacht werden, da während der sportlichen Aktivität und darüber hinaus ein verminderter Insulinbedarf besteht
  • Durch eine Verringerung der Körperfettmasse sinkt der Insulinbedarf

Leistungsspektrum

Im ersten Ansatz erfolgt eine Unterstützung zur Änderung des Lebensstiles. Diese Optimierung bezieht sich auch auf Betroffene mit Diabetes mellitus Typ 1. Bei unzureichender Einstellung erfolgt eine medikamentöse Unterstützung, die vor dem Hintergrund der Vorerkrankungen zusammengestellt wird. Diese Zusammenstellung wird auch durch die jeweils aktuellen Leitlinienempfehlungen unterstützt.

Bei Patienten mit einem insulinpflichtigen Diabetes Mellitus, die mit einer Insulintherapie (Basisinsulin, Essensinsulin) nicht ausreichend eingestellt werden können, erfolgt nach individueller Abwägung eine Einleitung einer Insulinpumpentherapie.

Unterstützend wird auch bei Wunsch und gegebener Indikation ein kontinuierliches Gewebeglucose-Messverfahren eingeleitet. In ausgesuchten Einzelfällen erfolgt dies unter der Blickwinkel eines kommunizierenden Sensor- und Insulinpumpensystems.

Neben der diätetischen und medikamentösen Therapie ist ein zentrales Instrument zur Einstellung die regelmäßige strukturierte Schulung. Hierbei gilt, dass es für jede Versorgungsform (Ernährung, Tablette, Insulin) eine zugeschnittene Fortbildung gibt.

Die strukturierte Schulung ist für eine dauerhaft stabile Blutzuckereinstellung wesentlicher Baustein und wird für alle Diabetesformen vorgehalten:

Nach wissenschaftlicher Auswertung konnte eindrücklich belegt werden, dass die Komplikationsrate von diabetischen Folgen z.B. wie Erblindung und Dialyse (Spätfolgen der kleinen Gefäße) oder Amputation von Gliedmaßen (Spätfolgen großer Gefäße) deutlich abfiel. Aus diesem Grund übernehmen die Krankenkassen die Schulungen als Regelleistung in einem wiederkehrenden Turnus. Eine wiederholte Teilnahme ist sinnvoll und erwünscht, weil jede Schulung auch bei gleichem Schulungsinhalten durch die erwünschte Gruppendynamik neben bekannten Inhalten auch neue Aspekte erschließt.

Über die Möglichkeiten und Voraussetzungen der für Sie kostenfreien Leistung informieren wir Sie gerne im Rahmen einer persönlichen Beratung.

An dieser Stelle liegt es mir am Herzen, Sie um zuverlässige Teilnahme zu bitten, wenn Sie Ihren Schulungstermin erhalten haben.

Ein weiteres Leistungsspektrum bietet unsere Wundversorgung: https://www.mvz-rhein-main.de/hausarzt/wundversorgung/

Im Rahmen des Vorsorgeprogramms der gesetzlichen Krankenkassen (DMP -Disease-Management-Programm) erfolgen

Im Sinne der Früherkennung von Folgekomplikationen spielen neben der Kontrolle der Blutzuckereinstellung auch die Fußuntersuchung (Nervenerkrankung), eine Urinuntersuchung (Überprüfen von Eiweißverlust) und eine jährliche Kontrolle beim Augenarzt eine Rolle. Ergänzend verfügt die Praxis über die technischen Voraussetzungen, Gefäßveränderungen zu erfassen, wenn die klinische Untersuchung noch nicht eindeutig ist.

  • Fußuntersuchung im Hinblick auf die Nervenqualitäten, Durchblutung und Hautverhältnisse
  • Urinuntersuchung im Hinblick auf Eiweißverlust
  • Blutuntersuchung im Hinblick auf Folgekrankheiten
  • Externe jährliche Augenuntersuchung im Hinblick auf Folgekrankheiten

Folgeerkrankungen & Komplikationen behandeln

Bei den Folgeerkrankungen unterscheidet man in mikro- oder makrovaskuläre Ursachen

Zu den Gefäßen (mikrovaskulär) gehören:

  • Erkrankung der Netzhaut des Auges (Sehverlust)
  • Erkrankung des Nierengewebes (Dialyse)
  • Erkrankung des Nervensystems (Polyneuropathie)
  • Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Zu den Erkrankungen der großen Gefäße (makrovaskulär) gehören:

  • Halsschlagader (Schlaganfall)
  • Herzkranzgefäße (Herzinfarkt)
  • Beinarterien (Amputation)

Diabetisches Fußsyndrom:

  • Mögliche Kombination aus mikro- und makrovaskulären Schäden
  • Einteilung nach Kriterien der Durchblutung, Infektion und Ausmaß des Weichteilschadens
  • Zentrale Bedeutung haben die diabetische Schuhversorgung, die medizinischen Fußpflege (Podologie) und die Blutzuckereinstellung für die Wundheilung
  • Charcot-Fuß als Sonderform des diabetischen Fußsyndroms

Ziel der Behandlung ist, diese Folgeerkrankungen zu verhindern oder im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung frühzeitig zu erkennen.

Unsere Praxis verfügt über die Geräte ABILITY und Dopplex (Huntleigh) für eine besondere Gefäßdiagnostik: Hiermit können wir bei diabetisch-spezifischen Gefäßveränderungen (Mediasklerose) durch die Ermittlung des Arm-Zehen-Index (üblicherweise nur Bestimmung des Arm-Bein-Index) Engstellen der Gefäße erkennen.